Wie kann die Netzhaut untersucht werden?

Die Funktion der Netzhaut kann von verschiedenen Erkrankungen und Verletzungen zum Teil stark eingeschränkt werden. Moderne Untersuchungsmethoden verbessern Diagnostik und Therapiemöglichkeiten.

Die Netzhaut ist die innerste von drei Schichten der Augenwand. In ihr wird das einfallende Licht aufgenommen, verarbeitet und das Ergebnis in Nervenimpulsen an das Gehirn weitergeleitet. Im Zentrum der Netzhaut liegt die Makula, die Stelle des schärfsten Sehens. Die Funktion der Netzhaut kann von verschiedenen Erkrankungen und Verletzungen zum Teil stark eingeschränkt werden. Moderne Untersuchungsmethoden verbessern Diagnostik und Therapiemöglichkeiten.

Die Netzhaut – ermöglicht die Wahrnehmung der Umwelt

Licht durchquert im Auge die Hornhaut, die Linse und den Glaskörper und trifft dann auf die Netzhaut. Die Netzhaut (Retina) liegt auf der Innenseite des Augapfels. Ihre Funktion der Aufnahme von Lichtinformation erfüllt sie mit einer Vielzahl von lichtempfindlichen Zellen (Fotorezeptoren), den Stäbchen und Zapfen. Viele weitere hochspezialisierte Zellen verarbeiten die aufgenommene Information, bevor sie als elektrische Impulse an das Gehirn weitergeleitet wird. Das Gehirn verarbeitet diese Information zu einem Bild, dort erfolgt auch ein Vergleich mit unseren Erinnerungen (z.B. Wiedererkennen eines Gesichts).
Besonders dicht stehen die lichtempfindlichen Sinneszellen in der in der Mitte der Netzhaut, der Makula. In deren Zentrum befindet sich die Sehgrube (Fovea), die Stelle des schärfsten Sehens, in der sich nur Zapfen befinden (siehe Aufbau des Auges). 
Die Makula ermöglicht uns das scharfe Sehen – ihre Funktion ist für Lesen, Gesichter erkennen, Arbeit am Computer, die meisten Berufe und unsere Freude am Leben sehr wesentlich. Eine Erkrankung der Makula (z.B. altersabhängige Makula-Degeneration, Diabetische Netzhauterkrankung) führt daher oft zu einer Beeinträchtigung im täglichen Leben. Da in der Regel eine frühe Behandlung die besten Ergebnisse für die Sehfunktion hat, ist eine Früherkennung von Makulaerkrankungen wesentlich.

Die gute Nachricht: Moderne Augenheilkunde kann Risiken für die Netzhaut mit verschiedenen   Untersuchungsmöglichkeiten heute deutlich schneller erkennen und behandeln.

Untersuchung der Netzhaut mit Schichtdarstellung (OCT)

Bei der optischen Kohärenztomografie (OCT) wird die Netzhaut und/oder der Sehnervenkopf von der Augenärztin oder dem Augenarzt mit einem schwachen Laserstrahl beleuchtet. Die Reflektionen aus der Netzhaut erlauben die detaillierte Beurteilung der hochaufgelösten Netzhautstruktur. Da hierbei infrarotes Licht verwendet wird, blendet es nicht und auch Kinder lassen sich bereits gut damit untersuchen. Mit dieser Technik kann sowohl die Struktur des Sehnervenkopfes und der Makula detailliert untersucht, als auch peripher gelegene Netzhautveränderungen beurteilt werden. Bei der Netzhaut wird insbesondere auf die Strukturen der äußeren Netzhautschichten, Einlagerungen von Flüssigkeiten in oder unter die Netzhaut sowie bei Ablagerungen unter oder auf der Netzhaut geachtet. Diese Technik ermöglicht es auch, präzise in zeitlichen Abständen die Messung zu wiederholen und Veränderung an den gleichen Netzhautstellen exakt nachzuweisen, da das Programm auch geringe Änderungen darstellen kann.
 

Diese Untersuchung empfiehlt sich besonders bei Menschen mit:

•    Allen Makula-Erkrankungen: angeboren oder erworben
•    Verlaufskontrollen: bei vielen Netzhauterkrankungen, insbesondere zur Beurteilung einer intravitrealen Medikamenteneingabe 
 

Untersuchung der Netzhautgefäße mit Schichtdarstellung (OCT-Angiografie)

Die OCT-Angiografie (OCTA) ist eine Weiterentwicklung der OCT. Sie erlaubt die Darstellung der Gefäße von Netzhaut und Aderhaut. Hiermit lassen sich detailliert die verschiedenen Gefäßschichten der Netzhaut beurteilen und Veränderungen an den Gefäßen frühzeitig erkennen. Im Gegensatz zur klassischen Angiografie können aber keine Flüssigkeitsbewegungen dargestellt werden.

Diese Untersuchung empfiehlt sich besonders bei Menschen mit:

•    Gefäßerkrankungen der Makula: z.B. Venenverschluss, Diabetische Retinopathie
 

Dynamische Gefäßdarstellung (Fluoreszenzangiografie)

Diese Methode macht Veränderungen am Augenhintergrund erkennbar, indem es die Gefäße der Netzhaut sichtbar macht. Ein in den Arm gespritzter fluoreszierender Stoff erreicht nach kurzer Zeit die Gefäße der Netzhaut. Unter kurzwelligem, blauen Licht leuchtet der Farbstoff auf. Eine Kamera erfasst mit zeitlich versetzten Aufnahmen die unterschiedlichen Gefäßabschnitte. Im Vergelich zur OCT-A können hiermit dynamisch Flüssigkeitsbewegungen im Verlauf beurteilt werden. Im Gegensatz dazu kann die OCT-A mehrere verschiedene Gefäßschichten differenzieren.

Anwendungsgebiete des Verfahrens:

•    Einschätzung diabetischer Netzhautveränderungen
•    Makula-Erkrankungen: angeboren oder erworben
•    Durchblutungsstörungen oder Entzündungen der Netzhaut

Fundusfotografie

Mit einer digitalen Kamera lassen sich bei diesem Verfahren Veränderungen an der Netzhaut, den Sehnerven und der Aderhaut fotografisch festhalten und dokumentieren. Die gespeicherten Aufnahmen dienen dem späteren Vergleich. Veränderungen sind so schneller erkennbar und der Patient kann früher behandelt werden. Den Grünen Star bemerken viele Menschen beispielsweise erst, wenn irreversible Schäden eingetreten sind.

Doch auch in diesen Fällen lässt die Darstellung des Augenhintergrundes die Augenärztin oder den Augenarzt Risiken frühzeitig erkennen:

•    Altersabhängige Makula-Degeneration
•    Gut- und bösartige Tumore (z. B. Naevus, Melanom)
•    Diabetische Netzhautveränderungen

Fundusautofluoreszenz

Eine spezielle Variante der Fundusfotografie ist die Fundusautofluoreszenz. Dabei werden die gleichen Kamerasysteme wie bei der Angiografie verwendet. Anstelle von Kontrastmittel regt die Beleuchtung der Netzhaut Substanzen zum selbst leuchten (autofluoreszent) an. Dies können Abbauprodukte sein (Fundusautofluoreszenz) oder Schutzfaktoren (Nah-Infrarot-Autofluoreszenz). Diese Substanzen zeigen frühzeitig typische Muster bei vielen Netzhauterkrankungen und erlauben so Früherkennung und Differenzierung. 

Diese Verfahren sind sinnvoll bei:

•    Altersabhängiger Makula-Degeneration
•    Degenerative Netzhauterkrankungen: angeboren oder erworben 
•    Gut- und bösartige Tumore (z. B. Naevus, Melanom)

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Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?

Die hier vorgestellten Untersuchungsmöglichkeiten der Netzhaut gehören nach wissenschaftlichen Studien zu den aussagekräftigsten der modernen Augenheilkunde. Einige dieser Verfahren werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen: Bei Indikation die Fluoreszenzangiografie, die OCT nur bei Behandlungsbedürftiger altersabhängiger Makula-Degeneration und Diabetischer Retinopathie. 
Bei Indikation zur Früherkennung von Erkrankungen oder der Abklärung von Sehstörungen sind die hier aufgezeigten Verfahren für Patientinnen und Patienten sinnvoll, auch wenn die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen.
 

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