Modernes Myopie-Management mit speziellen Myopie-Brillengläsern
Die Prävalenz der Myopie nimmt weltweit kontinuierlich zu. Da insbesondere hohe Myopien mit einem deutlich erhöhten Risiko für myope Makulopathie, Netzhautablösung, Glaukom und Katarakt verbunden sind, hat sich das Therapieziel in den vergangenen Jahren von der reinen Refraktionskorrektur hin zur aktiven Kontrolle des Augenlängenwachstums entwickelt. Eine frühzeitige Intervention im Kindesalter kann dazu beitragen, die spätere Endmyopie und damit das Risiko myopieassoziierter Folgeerkrankungen nachhaltig zu reduzieren.
Spezielle Myopie-Brillengläser stellen heute einen evidenzbasierten Baustein des Myopie-Managements dar. Sie wurden als eines der Schwerpunktthemen bei der Pressekonferenz des 38. Internationalen Kongresses der Deutschen Augenchirurgen (DOC) heuer in Nürnberg vorgestellt. Im Gegensatz zu konventionellen Einstärkengläsern erzeugen sie neben einer scharfen zentralen Abbildung gezielt einen peripheren myopen Defokus beziehungsweise spezifische myopiehemmende optische Signale. Diese beeinflussen vermutlich die retinalen Wachstumsmechanismen und reduzieren den Stimulus für eine weitere axiale Elongation des Auges. Unterschiedliche Hersteller setzen hierfür verschiedene optische Konzepte ein, beispielsweise konzentrische Defokuszonen oder mikrostrukturierte Linsendesigns.
Prospektive randomisierte Studien konnten – abhängig von Glastyp, Alter des Kindes, Progressionsgeschwindigkeit und Tragecompliance – eine Reduktion der Myopieprogression sowie des axialen Längenwachstums von etwa 40–60 % nachweisen. Der Therapieerfolg ist dabei umso größer, je früher nach Beginn der Myopie mit der Behandlung begonnen wird.
Für ein erfolgreiches Myopie-Management ist jedoch stets ein multimodales Vorgehen entscheidend. Neben einer konsequenten Tragedauer der Brillengläser sollten regelmäßige augenärztliche Verlaufskontrollen, möglichst mindestens zwei Stunden Aufenthalt im Freien pro Tag, eine Reduktion langandauernder Naharbeit sowie regelmäßige Sehpausen Bestandteil der Beratung sein. Die Kombination dieser Maßnahmen bietet derzeit die beste Möglichkeit, das Fortschreiten der Myopie im Kindesalter nachhaltig zu verlangsamen.
RALV – Realitätsnahe Simulation des postoperativen Sehens vor der Katarakt- oder Linsenchirurgie
Die Auswahl der optimalen Intraokularlinse stellt insbesondere bei Premiumlinsen einen entscheidenden Schritt für die spätere Patientenzufriedenheit dar. Trotz präziser Biometrie und moderner Berechnungsformeln lassen sich individuelle Sehpräferenzen – etwa hinsichtlich Kontrastempfindlichkeit, Halo- und Blendungsphänomenen oder der gewünschten Brillenunabhängigkeit – bislang nur eingeschränkt vorhersagen. Gerade die Entscheidung zwischen monofokalen, EDOF- und multifokalen Linsen basiert deshalb häufig auf theoretischer Beratung und der subjektiven Vorstellungskraft des Patienten.
Mit RALV (Real Artificial Lens Vision), das schwerpunktmäßig auf der Pressekonferenz des 38. Internationalen Kongresses der Deutschen Augenchirurgen (DOC) heuer in Nürnberg vorgestellt wurde, steht hierfür ein innovatives Simulationsverfahren zur Verfügung. Das System neutralisiert die Brechkraft der körpereigenen Linse optisch und ermöglicht es, verschiedene Original-Intraokularlinsen bereits vor der Operation unter realen Sehbedingungen zu testen. Patienten betrachten dabei reale Objekte in unterschiedlichen Entfernungen und erleben unmittelbar die jeweiligen Sehcharakteristika der ausgewählten Linsen. Dadurch wird die Beratung wesentlich anschaulicher und individueller.
Besonders relevant ist die realitätsnahe Demonstration typischer optischer Eigenschaften verschiedener Premiumlinsen. Unterschiede hinsichtlich Fern-, Intermediär- und Nahsehschärfe sowie mögliche photische Phänomene wie Halos oder Blendung können unmittelbar erlebt werden. Dies erleichtert eine gemeinsame Entscheidungsfindung und führt häufig zu realistischeren Erwartungen an das postoperative Ergebnis.
Von der Untersuchung profitieren insbesondere Patienten mit Wunsch nach weitgehender Brillenunabhängigkeit, Kandidaten für Premiumlinsen sowie refraktiv vorbehandelte Patienten, bei denen die präoperative Beratung häufig besonders anspruchsvoll ist. Auch bei beginnender Katarakt mit noch guter Sehschärfe kann die Simulation helfen, frühzeitig den individuell passenden Linsentyp zu identifizieren.
RALV ersetzt weder die präoperative Diagnostik noch die sorgfältige Indikationsstellung. Das Verfahren ergänzt jedoch die etablierte Linsenberatung um eine patientennahe, objektivierbare Entscheidungsgrundlage und kann dazu beitragen, unrealistische Erwartungen zu reduzieren sowie die postoperative Zufriedenheit nachhaltig zu verbessern.